Die sieben Übel: Andariel – Eine Sukkubus auf dem Knochenthron

Von Erik Pelzer

In sieben Tagen wurde die Welt nach der Schöpfungslehre geschaffen. Die sieben Weltwunder der Antike sind bis heute ein großes Rätsel. Ein zerbrochener Spiegel bringt sieben Jahre Pech gefolgt von sieben Jahren Glück. Und es gibt sieben Erzengel.

Da verwundert es nicht, dass es auch sieben mächtige Dämonen sind, die über die brennenden Höllen herrschen – zumindest in der Welt von Sanktuario. Diese sieben Übel sind die Hauptantagonisten in der Computerspielreihe Diablo. Blizzard North und Blizzard Entertainment gelang mit ihrem Hack & Slay-Action-Rollenspieltitel bereits 1996 der ganz große Erfolg. Nicht ohne Grund wurde auf der Blizzcon 2019 Diablo IV angekündigt, besticht das Fantasyspiel doch durch seine düstere, oftmals mythologisch-biblisch angelegte Hintergrundgeschichte und seine leicht zu lernende und doch schwer zu meisternde Spielweise.

S&M mit einem Sukkubus

Doch zurück zu den sieben großen Übeln. Jeder, der schon einmal „Diablo“ gespielt hat, kennst sie, die großen Bossgegner zum Ende jedes Kapitels. In dieser neuen Reihe werde ich die Hintergründe der teuflischen Dämonen, die den Spielern das Leben im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle machen, erklären. Den Anfang macht dabei Andariel – die Herrin der Qualen. Deckard Cain, der letzte lebende der Bruderschaft der Horadrim – einem Zusammenschluss von Magiern, die vom Erzengel Tyrael beauftragt worden sind, die drei Brüder Diablo, Mephisto und Baal in Schach zu halten – schreibt über die Sukkubus Andariel: „Sie hat ein besonders sadistisches Wesen. Anders als ihr Bruder Duriel ist sie nicht an körperliche Schmerzen, sondern an emotionaler Agonie interessiert. Sie glaubt an die Reinheit der hinterhältigen Qualen.”

“Sie hat ein besonders sadistisches Wesen. Anders als ihr Bruder Duriel ist sie nicht an körperliche Schmerzen, sondern an emotionaler Agonie interessiert. Sie glaubt an die Reinheit der hinterhältigen Qualen.”

Diablo III. Book of Cain, hrsg. v. Dille, F., San Rafael, CA, o. J., S. 32.

Aus eigener Erfahrung kann ich dies bestätigen. Es ist nämlich emotional äußerst frustrierend, wenn man die Jungfrau der Qualen im Kloster der Jägerinnen in Diablo II viel zu schnell und einfach tötet. Da hätte ich tatsächlich mehr erwartet.

Tja, vielleicht wäre es mit anders ergangen, wenn ich statt einer Assassinin einen muskelbepackten Barbar gespielt hätte. Eine Sukkubus (aus dem lateinischen von succumbere: „unten liegen“) wie Andariel ist nämlich eine besonders lüsterne Buhlteufelin. Trotz ihrer Fledermausflügel und spitzen Schwänze sowie Hörner, besticht sie durch ihre verführerische Erscheinung. Die Absicht der Sukkubus ist es, so steht es im Hexenhammer, den Samen des schlafenden Mannes zu stehlen und diesem somit beim Sex seine Kraft zu nehmen. Einem Barbar wäre es den Umständen entsprechend also … anders ergangen. Nehmt euch ein Zimmer!

Gerade diese verführerische und nackte Erscheinung von Andariel hat zu einem Streit zwischen Blizzard South und Blizzard North geführt, der allerdings im Sand verlief, nachdem Andariel auf einem Cover präsentiert worden war und keine Kontroverse erzeugt hatte.

Feuchte Träume im Orient

Bereits in vorchristlicher Zeit stammen allerdings erste Überlieferungen von Sukkubus aus Mesopotamien. Unter dem Namen Lilu und Lilutu seien diese den Menschen in erotischen Träumen erschienen. Auch in der christlichen und jüdischen Mythologie findet sich diese Vorstellung: Demnach war Eva nicht die erste Frau Adams, sondern Lilith – ein dämonisch-schönes Wesen, das Männer im Schlaf verführt. Die Sukkubus sehnte sich danach Neugeborene zu töten. Ob Andariel selbst die Tochter von Lilith ist, ist hingegen unklar. Deckard Cain schreibt nämlich, dass sie – wie auch die anderen Übel – einem der sieben Köpfe Tathamets, des ersten Bösen, entsprangen sei.

Andariel ist in einem Zustand der immerwährenden Ekstase, um unvorstellbare Genüsse genießen zu können. Dafür lässt sie ihre Feinde leiden.

Die Sukkubus war in früherer Zeit eine enge Vertraute Diablos. Dennoch betrog sie ihn – ganz ihrer höllischen Domäne folgend – voller Entzücken ob der Erniedrigung, die der Herr des Terrors im Exil durchmachen musste. Gleichzeitig lebte sie und die anderen niederen Übel in ständiger Furcht vor der Rückkehr der drei großen Übel. Jahre später will sich Andariel wieder in die Gunst Diablos stellen, indem sie dessen Verfolger im Kloster der Jägerinnen aufzuhalten versucht.

Die Jungfrau der Qualen

Zu Besuch bei Andariel

Viele fragen sich, wie ihr Reich in den brennenden Höllen aussieht, denn noch niemand kam bisher von dort zurück. Es muss aber ein Ort voller psychologischer Folter sein, wo einem Schuld, Bedauern und Selbstekel auferlegt werden. 24 Stunden RTL 2 sollten es wohl genauso tun. Weitere Vermuten auch, dass die Opfer von Andariel als geistige Krüppel und voller Schuld sich freiwillig in das Reich ihres Bruders Duriel begeben. Dort wollen sie ewige Schmerzen als Strafe empfangen.

„Wie soll das Kind denn heißen?“

Schließlich verbleibt die Frage nach der Bedeutung ihres Namens. Im Gegensatz zu den meisten anderen Übeln basiert ihr Name nicht auf einer mythisch-reigiösen Vorlage. Es könnte sich dabei um eine Kombination aus dem Wort „and“ und dem Namen „Ariel“ handeln. Und damit meine ich nicht das Waschmittel, sondern den Erzengel, als dessen Konterpart die Sukkubus auftreten könnte. Darüber hinaus könnte der Name an den ihres Zwillings Duriel angelehnt worden sein.

Habt ihr noch weitere Ideen, woher der Name stammen könnte? Schreibt diese gerne in die Komentare!

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